Was und wie lerne ich von einem historischen Instrument?
Im Umgang mit historischen Instrumenten ist es von zentraler Bedeutung, nicht mit einer Forderung an das Instrument zu gehen, was es können soll, damit ich mich und meine Vorstellung von (alter) Musik ausleben kann. Man muss umgekehrt „das Instrument“ fragen, was es „will“ und kann. Dabei sollte man davon ausgehen, dass man es damals für einen konkreten Bedarf geplant und angefertigt hat. Kann es also irgendetwas nicht, ist dieses offensichtlich auch nicht gefordert oder beabsichtigt gewesen.
Kurs Diez Eichler
Die authentische original erhaltene Orgel in Worfelden (gebaut 1623/24 für die Hofkapelle in Darmstadt) stellt uns vor eine ganze Reihe von Fragen. Nahezu alle Gewohnheiten heutiger Organisten stoßen auf ihren energischen Widerstand. Anstatt sich ablehnend oder gar belächelnd abzuwenden wird in diesem Kurs in praktischer Arbeit mit den Teilnehmenden rekonstruiert, wie das Instrument denn eigentlich „gemeint“ war. Dabei geht es neben Fragen der Stückauswahl u.a. um Registrierungen, Fingersätze, Artikulationen. Die Auswahl von Stücken ist für die aktiven Teilnehmer vollkommen frei.
Kurs Leonard Schick
Ein Ergebnis des ersten Kurses wird die Erkenntnis sein, dass die Orgel weniger für Literaturspiel konzipiert ist, sondern viel mehr für die Improvisation. Aktiv am Instrument werden Kriterien für ein zeitgemäßes Extemporieren erarbeitet. Ausdrücklich sind auch Anfänger in dieser Materie zur aktiven Teilnahme eingeladen!
Exkursion
Lars Simon Sokola
Auch bei „vertrauteren“ Barock- und Klassik-Instrumenten ist es spannend, sich im Umgang mit ihnen von dem Grundsatz dieses Workshops leiten zu lassen: was „will“ das Instrument selbst? Lars Sokola besucht in einer Rundfahrt die benachbarten historischen Orgeln von Büttelborn, Walldorf und Trebur (1782, 1830 und 1844) und führt jeweils in einer kurzen Demonstration stilgerechte Improvisationen vor.