Komponist, Pianist
Nach dem Besuch des Frankfurter Realgymnasiums studierte Willy Salomon am Dr. Hoch’s Konservatorium Klavier bei Alfred Höhn, Komposition und Kontrapunkt bei Iwan Knorr, Bernhard Sekles und bei Waldemar von Baußnern sowie Partiturspiel bei Carl Breidenstein und Dirigieren bei Fritz Bassermann. 1913 bestand er als Lehrer an der angegliederten Seminarschule die Prüfung 2. Grades.
Im Anschluss an seine Ausbildung war Salomon seit 1916 als Lehrer für Korrepetition und Opernensemble, später auch für Harmonielehre und Gehörbildung sowie Begleitung am Dr. Hoch´s Konservatorium tätig. Zahlreiche Zeitungsanzeigen und -besprechungen von Vereinskonzerten, Liederabenden und dergleichen seit 1915 belegen, dass Salomon – insbesondere innerhalb der jüdischen Gemeinde – einer der gefragtesten Klavierbegleiter der Stadt war. Neben seiner Konzerttätigkeit studierte Willy Salomon an der Frankfurter Universität, wo er 1925 mit einer stilkritischen Untersuchung über Hugo Wolf als Liedkomponist promovierte.
Nachdem Willy Salomon aufgrund seiner jüdischen Abstammung 1933 zusammen mit weiteren Kolleginnen und Kollegen am Konservatorium entlassen wurde, setzte er dieses Engagement fort, indem er im Rahmen des Jüdischen Lehrhauses Vorlesungen hielt. Daneben erteilte er privaten Klavier-, Kompositions- und Korrepetitionsunterricht und übte weiterhin seine pianistische Tätigkeit als Begleiter wie auch Solist aus.
Ende 1938 wurde er nach Buchenwald deportiert, konnte aber 1939 nach England emigrieren. Dort leitete er noch im Dezember desselben Jahres eine Opernaufführung des Freien Deutschen Kulturbundes, für den er 1943 auch musikwissenschaftliche Vorträge hielt. In London setzte Salomon wiederum seine Klavierbegleitertätigkeit bis mindestens 1957 fort.
Ein Nachruf von Ernst Kahn auf Willy Salomon erschien 1958 in einer Ausgabe der „Association of Jewish Refugees in Great Britain“.
„Nobody who came across Willy Salomon can forget his wit and sense of humour, his idealism as a musician, his wide interest and great general knowledge, his love of nature and animals, his kindness towards his friends and especially towards aged people.“ - Übersetzung aus dem Nachruf von Ernst Kahn
Am Beispiel von Willy Salomon und Marie Lenheim kann man nachvollziehen, wie sich jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt nach dem Verlust ihrer regulären Anstellungen ab 1933 neu organisierten, um ihre künstlerische Arbeit trotz der Repressionen fortzuführen. Sie gaben Privatunterricht und boten Musikstunden in jüdischen Gemeinden und Bildungsstätten an, da sie von öffentlichen Institutionen ausgeschlossen waren.
In geschlossenen jüdischen Kreisen, organisiert vom Jüdischen Kulturbund und anderen erlaubten jüdischen Organisationen, fanden Konzerte, Kammermusikabende und musikalische Veranstaltungen statt, die das kulturelle Leben innerhalb der jüdischen Gemeinschaft am Leben erhielten.
Willy Salomon hielt nach seiner Entlassung im Jüdischen Lehrhaus Vorlesungen, darunter 1936 zum Thema „Stil der Hochromantik in der Musik (Liszt-Bruckner)“ und 1938 zum „Neueren Kunstlied“. Zusätzlich erteilte er privaten Klavier-, Kompositions- und Korrepetitionsunterricht und blieb als Pianist sowohl als Begleiter wie auch Solist aktiv, zum Beispiel bei mehreren Klavierabenden auch außerhalb Frankfurts.
1935 war Salomon Teil eines Arbeitsausschusses jüdischer Tonkünstler, der zusammen mit Hans Assenheim zweiwöchentliche Mittwochskonzerte organisierte. Diese legten den Fokus unter anderem auf Werke jüdischer Komponisten, die in Frankfurt lebten. Bis Anfang 1938 fanden in dieser Reihe vierzig Konzerte statt. Salomon war außerdem Vorstandsmitglied der Ortsgruppe des Verbundes nationaldeutscher Juden
Informationen über den Jüdischen Kulturbund und die Vereinigung der Jüdischen Tonkünstler Frankfurts siehe: Marie Lenheim
Übrigens: Nur wenigen ist bewusst, dass das heutige Israel Philharmonic Orchestra auf eine Rettungsinitiative vor dem NS-Regime zurückgeht: Der polnische Geiger Bronislaw Huberman erkannte früh die zunehmende existenzielle Bedrohung jüdischer Musikerinnen und Musiker in Europa. Mit großer Weitsicht setzte er sich das Ziel, so viele Musikerinnen und Musiker wie möglich zu retten, indem er ihnen eine neue Heimat in Palästina verschaffte. Zugleich wollte er durch die Gründung eines Orchesters das Fundament für ein lebendiges kulturelles Zentrum des jüdischen Lebens im damaligen Palästina legen.
Bereits ab 1934 bereitete Huberman daher die Gründung eines Orchesters vor. Unterstützt wurde er von Hans Wilhelm Steinberg, der Musikerinnen und Musiker unter anderem aus dem Orchester des Jüdischen Kulturbunds Rhein-Main gewann und die künstlerische Leitung übernahm.
Mit dem ersten Konzert im Dezember 1936 in Tel Aviv unter der Leitung von Arturo Toscanini wurde das Palestine Symphony Orchestra offiziell ins Leben gerufen. In den folgenden Jahren prägte Steinberg maßgeblich die musikalische Entwicklung dieses Ensembles.
Nach der Staatsgründung Israels 1948 erhielt es den Namen Israel Philharmonic Orchestra und gilt seither als einer der international führenden Klangkörper – ein Symbol für das Überleben, die kulturelle Selbstbehauptung und Erneuerung jüdischer Musikerinnen und Musiker nach dem Holocaust.
Ein signiertes Foto von Bronislaw Hubermann und Arturo Toscanini mit dem Palestine Symphony Orchestra in Tel Aviv am 25. Dezember 1936.
„One has to build a fist against anti-Semitism - a first class orchestra will be this fist.“ Bronislaw Huberman, Gründer des Palestine Symphony Corchetras
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