Direkt zum Inhalt

Heida Holde-Hermanns (1906-1995)

Pianistin

Heida Hermanns wurde am 14. Oktober 1906 in Wiesbaden als Hedwig Goldschmidt geboren. Vor dem Hintergrund von wachsendem Antisemitismus änderte sie Anfang der 20iger Jahre ihren Nachnamen in Hermanns.

„There was always an undercurrent of anti-Semitism. We lived with that and people made accomodations that kept it from intruding on their lives. It was in the early twenties that I began to use the last name Hermanns instead of the obviously Jewish name of Goldschmidt.“ - Aus den Memoiren von Heida Holde-Hermanns, S.37

Heida zeigte früh musikalisches Talent, und ihre Mutter, die selbst eine ausgebildete Pianistin war, förderte ihre musikalische Ausbildung. So begann sie im Alter von sieben Jahren, Klavierunterricht zu nehmen. Von 1922 bis 1925 studierte sie an der Akademischen Hochschule für Musik in Berlin, wo sie - bereits vor Studienbeginn - unter anderem von Kurt Weill unterrichtet wurde. Nach Abschluss ihres Studiums kehrte sie nach Wiesbaden zurück und baute ihre Konzerttätigkeit auf.

Heida Hermanns wurde schließlich 1931 mit der Leitung der Kurse für musikalischen Früherziehung des Dr. Hoch´s Konservatorium betraut. 1932 heiratete sie Artur Ludwig Holde, einen bekannten jüdischen Komponisten, Dirigenten und Musikkritiker.

Nachdem sie 1933 das Konservatorium verlassen musste, teilte Heida Holde-Hermanns das Los aller jüdischen Musikpädagoginnen und Musikpädagogen, ihren Lebensunterhalt zunächst mit Privatstunden sichern zu müssen. 

Am 26. und 28. Januar 1935 spielte sie die „Symphonie für Klavier und Orchester“ von Ernst Toch in der deutschen Uraufführung zusammen mit dem Kulturbund-Orchester unter der Leitung von Hans Wilhelm Steinberg. Dr. Nathan Ehrenreich schrieb in seiner im Israelitischen Gemeindeblatt im März 1935 veröffentlichten Rezension:

"Die Pianistin Heida Hermanns, der die deutsche Uraufführung vom Schott-Verlag übertragen worden war, führte ihre äußerst schwierige Aufgabe mit vollstem Gelingen durch. Schon die Gedächtnisleistung war bewundernswert. Noch mehr dürfte die erstaunliche Bewältigung des ganz neuartigen Klaviersatzes und die Erfüllung der musikalischen Anforderungen für die Künstlerschaft der Interpretin einnehmen."

Im Oktober des Jahres 1936 emigrierte Heida Holde-Hermanns gemeinsam mit ihrem Mann in die Vereinigten Staaten. Heida Holde-Hermanns lebte, musikalisch sehr aktiv, zunächst in New York, dann in Westport, Connecticut. Sie unterrichtete als Privatlehrerin, bald aber an verschiedenen Konservatorien und nahm auch ihr Konzertleben wieder auf. Anfang der 70iger Jahre gründete sie die Connecticut Alliance for Music, Inc. (CAM) und seitdem wird der Heida Hermanns International Music Competition Preis jährlich in Westport vergeben.

Sie starb im Jahre 1995 in Westport, Connecticut.


Für das Konservatorium war und ist Heida Holde-Hermanns eine Pionierin, da sie die erste Dozentin für die Kurse für musikalische Früherziehung war. Sie führte eine Unterrichtsmethode ein, die auf musikalischer Improvisation und aktiver Beteiligung der Kinder beruhte. Dieser Ansatz markierte einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung früher musikpädagogischer Konzepte und begann sich zu jener Zeit zunehmend zu etablieren. 

Das nach der Kündigung ausgestellte Zeugnis des damaligen Direktors Bernhard Sekles, das seine Wertschätzung ausdrückt:

Image
Zeugnis 1933

In ihren Memoiren berichtet Heida, wie ihr Ehemann, Artur Holde (auch ein Musiker), sie 1935 beim Üben leichenblass unterbrach und zu ihr sagte, dass sie auch gleich mit dem Üben aufhören könnte, da sie Deutschland verlassen werden. Das war an dem Tag, an dem die Nürnberger Gesetze erlassen wurden. 

„I´m not going to stay,“ Artur said. „I can´t breathe this air.“ - Aus den Memoiren von Heida Holde-Hermanns, S.51

Artur Holde hat weitsichtig erkannt, dass ein europäisches Land für sie auf Dauer nicht sicher sein würde und sie in die USA müssen. Zu dieser Zeit war es aber fast unmöglich, ein „Emigration-Visa“ für die USA zu erhalten, deswegen organisierten sie sich eine Besuchserlaubnis für eine Konzertreise und blieben dann - zunächst illegal - in den USA. 

Auch die Eltern und Schwester von Hilda schafften es mit viel Mühe, in die USA zu emigrieren und so zu überleben.

Kurz vor ihrem Tod 1991 verfasst Heida Hermanns noch eine Autobiografie. Diese Memoiren können als ein stellvertretendes Zeugnis für alle hier dargestellten Autobiografien gesehen werden, da sie über musikalische Ausbildung, jüdische Identität, das Leben im Frankfurter Musikmilieu vor und nach 1933, erlittene Diskriminierung, Emigration und den mühsamen Neubeginn in den USA berichten. Diese Memoiren befinden sich im Online-Archiv des Leo Baeck Institute New York/Berlin. 

Zu den Memoiren

Die Nürnberger Gesetze waren 1935 erlassene zentrale Rassengesetze des NS Staates, die Jüdinnen und Juden systematisch entrechteten und rechtlich von sogenannten „Ariern“ trennten: Am 15. September 1935 wurden vor allem zwei Gesetze beschlossen: das Reichsbürgergesetz und das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ („Blutschutzgesetz“). 

Das Reichsbürgergesetz machte aus Jüdinnen und Juden Staatsangehörige ohne politische Rechte, während Bürger „deutschen oder artverwandten Blutes“ als vollberechtigte Reichsbürger galten. 

Die Gesetze führten eine rassistische Definition ein, wer als „Jude“ oder „Mischling“ galt, orientiert an der Zahl jüdischer Großeltern; damit wurde jüdische Herkunft zur Grundlage rechtlicher Diskriminierung.

Das Blutschutzgesetz verbot Ehen und sexuelle Beziehungen zwischen Juden und „Deutschen“ und stellte sie als sogenannte „Rassenschande“ unter Strafe. Die Nürnberger Gesetze schufen die juristische Basis für Ausgrenzung, Verfolgung und spätere Vernichtungspolitik und machten Jüdinnen und Juden zu Bürgern zweiter Klasse. 


  • Fotografien und Dokumente: Leo Baeck Institute

  • Biografie: Martini 2010, S. 224 f., überarbeitet und ergänzt

Image
Heida Holde-Hermanns 1990
Image
Heida mit ihren Schülerinnen und Schülern 1935 im Garten ihrer Wohnung (Leerbachstrasse 90, Frankfurt)
Image
Arthur und Heida auf der Überfahrt in die USA 1936.