Pianist, Sänger
Geboren am 1. März 1905 in Baden-Baden wurde Ernst Wolff nach seinem Studium am Dr. Hoch‘s Konservatorium bei Bernhard Sekles, Ludwig Rottenberg und Hermann von Schmeidel als Kapellmeister und Solo-Korrepetitor an die Städtischen Bühnen Frankfurt am Main berufen. Gleichzeitig arbeitete er als Korrepetitor an der Opernschule des Dr. Hoch‘s Konservatorium. Ihm wurden 1933 beide Positionen gekündigt.
Bereits 1929 wurde ihm die Uraufführung des „Lehrstücks“ von Paul Hindemith in Baden-Baden anvertraut, eine Aufgabe, die er mit solch einer Bravour löste, dass ihm auch die Uraufführung von Bertolt Brechts „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ in Baden-Baden angetragen wurde.
Aus dieser Zeit datiert eine enge Freundschaft mit Kurt Weill, der ihn 1935 als Assistenten nach New York bat, als er gemeinsam mit Max Reinhardt die Aufführung „Der ewige Weg“ von Franz Werfel vorbereitete. Damit eröffneten sich für Ernst Wolff erste Verbindungen in die Vereinigten Staaten.
Seine wunderbar weiche und empfindsame Singstimme ermöglichte es ihm, eine zweite Laufbahn als Sänger einzuschlagen, zumal er als technisch versierter, ausgezeichneter Pianist in der Lage war, sich selbst begleiten zu können.
Seine letzten Konzerte in Frankfurt am Main fanden am 1. November 1937 im Kleinen Saal des Saalbaues und am 19. Mai 1938 in der Westendsynagoge statt.
Während der November-Pogrome im Jahre 1938 hielten ihn Freunde in der Beethovenstraße im Frankfurter Westend im Kamin versteckt. Ernst Wolff emigrierte direkt danach 1938 in die Vereinigten Staaten. Dort gelang es ihm ebenfalls, sich als Liedsänger durchzusetzen.
Seinen Lebensabend verbrachte Ernst Wolff in Breganzona in der Schweiz. Er starb im Jahr 1992.
Als Korrepetitor hatte Ernst Wolff das Gefühl, dass er seine Rolle und Funktion als Klavierbegleiter besser verstehen könnte, wenn er singen lernen würde, und beschloss daher, seine Stimme zu trainieren. Bei einer Opernprobe wurde einer der Sänger plötzlich krank. Wolff übernahm die Baritonpartie und sang sie so gut, dass seine Kollegen ihn drängten, eine Gesangskarriere zu beginnen. Er folgte diesem Rat und studierte ernsthaft Gesang bei Johannes Willy in Frankfurt und später bei Moratti in Mailand. Er gab Liederabende in England, Österreich, Deutschland und Italien.
„Es ist höchst ungewöhnlich, Musik so unterschiedlicher Stilrichtungen mit der Leichtigkeit und Begabung zu hören, die Herr Wolff an den Tag legt. Dieser musikalische und einfühlsame Sänger ist zweifellos ein weit überdurchschnittlicher Künstler, der seine helle Baritonstimme mit unbestreitbarer Wirkung einsetzt.“
Ein Kritiker der London Morning Post
Nach 1933, wo er nicht nur seine Stellung am Konservatorium, sondern auch die als Solo-Korrepetitor an den Städtischen Bühnen verloren hat, trat er in Frankfurt u.a. im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes auf. Dort konnte er trotz wachsender Repressionen weiterhin musikalisch tätig sein und jüdisches Publikum mit seinem Gesang und Klavierspiel erreichen.
Mit Unterstützung von Persönlichkeiten wie Max Reinhardt und Kurt Weill emigrierte Wolff 1938 in die USA.
Dort wurde er amerikanischen Musikliebhabern erstmals durch seine Aufnahmen für Columbia Records bekannt, insbesondere durch sein Debütalbum mit Liedern von Robert Franz. In Amerika sang er in vielen Konzerten im ganzen Land und trat in einer Reihe von Frühlingskonzerten im Columbia Broadcasting System auf.
Neben seiner Aufnahme der Lieder von Robert Franz nahm Wolff für Columbia Records Lieder von Schubert, Beethoven, Brahms, Schumann, Mendelssohn und Kowalskis Liederzyklus „Pierrot Lunaire“ auf.
Ernst Wolffs Arbeit war geprägt von der Verbindung zwischen Gesang und Klavierbegleitung, die er als Ausdrucksmittel des deutschen Liedes meisterhaft beherrschte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Wolff regelmäßig nach Europa zurück und engagierte sich in der kulturellen Szene des Schweizer Tessins, wo er Veranstaltungen und Konzertreihen mitgestaltete.
Wolff nahm zwischen 1956 und 1961 fünf Alben für den US-Schallplattenverlag Folkways Records auf.
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