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Einleitung


Gegen das Vergessen.
Verfolgt und Vertrieben - Das Dr. Hoch's Konservatorium im Jahr 1933

Nach der Machtübernahme Hitlers im Januar 1933 setzte sehr schnell eine systematische Entlassung und Ausgrenzung von jüdischen Intellektuellen und Künstlerinnen und Künstlern aus nahezu allen öffentlichen Institutionen ein. Diese Maßnahmen waren politisch gewollt, rechtlich inszeniert und wirkten kulturell verheerend.

Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933, das alle „nichtarischen“ und politisch unerwünschten Beamtinnen und Beamten aus dem Staatsdienst entfernen sollte, diente als Grundlage. Durch die nachfolgenden Durchführungsverordnungen wurden ausdrücklich Richter, Lehrerende, Hochschullehrende, aber auch Angestellte und Arbeiterinnen und Arbeiter im gesamten öffentlichen Dienst erfasst. 

Das Konservatorium war als Stiftung in diesem Zusammenhang zunächst keineswegs gezwungen, seine Lehrenden zu entlassen. Trotzdem wurden sofort Maßnahmen ergriffen, um den Inhalt der neuen Gesetzgebung auch an diesem Haus umzusetzen. Es wurde ein Ausschuss gegründet, der Maßnahmen zur „Reorganisierung“ entwickeln sollte; wichtiger Bestandteil dieser Reorganisierung war die Entfernung des nichtarischen und ausländischen Lehrkörpers aus dem Institut.

Im gesamten Kulturbereich wurden jüdische Künstlerinnen und Künstler in den ersten Wochen nach der Machtübernahme aus Opern- und Theaterensembles, Orchestern, Hochschulen, Konservatorien und Rundfunkanstalten entfernt. Die 1933 gegründete Reichskulturkammer schloss Jüdinnen und Juden systematisch aus künstlerischen und freien Berufen aus, sodass ihnen eine reguläre künstlerische Tätigkeit in Deutschland faktisch unmöglich wurde. 

Kolleginnen und Kollegen des Konservatoriums nahmen die Entlassungen meist nolens volens hin, weil sie sie als „legal“ akzeptieren mussten, da sie sich auf das neue Gesetz stützten. Zudem profitierten nichtjüdische Menschen von frei werdenden Stellen, was die Anpassung an das Regime bis hin zur Denunziation auf perfide Art weiter förderte.

Das Erinnerungsprojekt „Gegen das Vergessen - Verfolgt und vertrieben - Lehrerinnen und Lehrer an Dr. Hoch’s Konservatorium“ möchte den einschneidenden Bruch in der Lebenswirklichkeit dieser Musikerinnen und Musiker nachvollziehbar machen.

Am 19. April 1933 spricht der Ausschuss zur „Reorganisation des Dr. Hoch´s Konservatorium“ fast allen jüdischen Kollegen und Kolleginnen die Kündigung zum 31. August 1933 aus, um die „Entfernung aller Ausländer und Juden aus dem Lehrerkollegium“ zu gewährleisten und zwar mit der Auflage „auch im eigenen Interesse die Anstalt nicht mehr zu betreten“. Nur die Pianistin Toni Oberdorfer wurde bereits einen Monat zuvor schon entlassen, wie auch der Österreicher Hermann von Schmeidel. Der Korrepetitor Paul Meyer blieb zunächst verschont, wurde aber 1935 aufgrund von einer Denunziation eines Kollegen entlassen. Damit mussten 1933 fast alle 14 jüdischen Lehrenden das Konservatorium verlassen – ein Bruch, der nicht nur das musikalische Leben der Stadt Frankfurt massiv beeinträchtigte, sondern auch das künstlerische Fundament der Institution traf. Viele der betroffenen Musikerinnen und Musiker sahen sich gezwungen, ins Exil zu gehen. Ihr Schritt in die Emigration rettete ihnen das Leben, bedeutete jedoch zugleich einen erzwungenen Verlust ihrer realen und auch künstlerischen Heimat. 

Jedoch nicht allen war dieser Weg möglich. Besonders schmerzlich ist die Erinnerung an Hede Salomon und Anna Rosenthal, die dem faschistischen Terrorregime zum Opfer fielen und ums Leben gebracht wurden. Ihr Schicksal steht stellvertretend für das Leid, das auch viele Studierende, Schüler und Schülerinnen des Konservatoriums in den Jahren nationalsozialistischer Gewaltherrschaft ertragen mussten – von Entrechtung und Vertreibung bis hin zu Deportation und Ermordung.

Mit diesen Entlassungen wurde das Konservatorium Teil der nationalsozialistischen Ausgrenzungspolitik. Es war ein tiefgreifender Bruch mit den eigenen moralischen Werten. 

Mit dem Gedenken an die Verfolgten soll gegen das Vergessen angekämpft werden. 


In ehrendem Gedenken an

  • Alfred Auerbach
  • Herbert Graf
  • Rosy Hahn
  • Heida Holde-Hermanns
  • Marie Lenheim
  • Paul Meyer
  • Toni Oberdorfer
  • Adolph Rebner
  • Anna Rosenthal
  • Hede Salomon
  • Willy Salomon
  • Mátyás Seiber
  • Bernhard Sekles
  • Ernst Wolff