Komponist, Pianist
Bernhard Sekles, der seit der Mitte der 1890er Jahre diese Form seines Nachnamens führte, war Sohn des jüdischen Weinhändlers Maximilian Seckeles in Frankfurt und dessen aus Offenbach stammenden Ehefrau Anna geb. Bischheim.
Seine musikalische Ausbildung erhielt er von Wilhelm Hill und setzte sie ab 1888 am Dr. Hoch’s Konservatorium fort, wo Lazzaro Uzielli (Klavier) sowie Engelbert Humperdinck, Iwan Knorr und Bernhard Scholz (Tonsatz und Komposition) seine Lehrer waren. Nach jeweils kurzen Engagements als Opernkapellmeister in Heidelberg (1893/94) und Mainz (1894/95) wurde Sekles 1896 als Nachfolger Gustav Trautmanns Theorielehrer an seiner Frankfurter Ausbildungsstätte; seit 1906 leitete er dort auch die Kompositionsklasse.
„Die Stunden bei Herrn Sekles sind hoch interessant und anregend. Ein intelligenter Mann, der durch und durch Musikant ist, der alles spielt, was man will (natürlich auswendig) und der in die Tiefe geht. Bei allem aber ein ursprünglicher Humor.“
Erich Schmidt über Bernhard Sekles im September 1927 / nach Cahn, S.296
1923 avancierte er (als Nachfolger von Waldemar von Baußnern) zum Direktor des Konservatoriums, dem er in der Folgezeit weitere Ausbildungsgänge anschloss, darunter eine Dirigentenklasse, eine Opernschule (1924), ein Seminar für Privatmusiklehrer (1926), die Eröffnung einer Jazz-Klasse (1928) und eine Kirchenmusikabteilung (1930).
Der im April 1933 eingerichtete und aus eigenen Kräften zusammengesetzte, dem „Säuberungsverfahren“ dienende Ausschuss zur „Reorganisation“ des Konservatoriums führte das Ende der Tätigkeit Bernhard Sekles’ herbei; ihm wurde gekündigt.
Zu Sekles’ Schülern zählten Theodor W. Adorno, Ottmar Gerster, Paul Hindemith, Johann Friedrich Hoff, Erich Itor Kahn, Max Kowalski, Cyril Scott, Rudi Stephan und Max Wolff. Sein Nachfolger als Direktor des Konservatoriums wurde Bertil Wetzelsberger (1892–1967).
Bernhard Sekles verstarb im Dezember 1934 in Frankfurt.
Bernhard Sekles zählt zu den innovativsten Direktoren des Dr. Hoch’s Konservatorium und führte trotz der schweren finanziellen Lage nach der Hyperinflation von 1923 weitreichende Reformen durch.
Es liegen zwischen 1922 und 1926 keine Jahresberichte vor. Anscheinend - wie im Bericht aus dem Jahre 1927/28 vermerkt - waren auch längere Zeit gar keine erstellt worden. Hier deswegen eine Darstellung der Neugründungen durch Direktor Sekles aus heutiger Sicht im Rückblick.
Kooperationen
1924 gründete Bernhard Sekles in Zusammenarbeit mit den Städtischen Bühnen die Opernschule, die eine Solistenklasse, und eine Chor- und Tanzschule umfasste. Diese Initiative belebte die praktische Ausbildung und stärkte die Verbindung zur professionellen Bühne.
Zudem vereinbarte Sekles mit dem Volksbildungsheim, dass dessen großer Saal für Konzerte des Konservatoriums zur Verfügung gestellt wurde. Dieser Sinn für Öffnung und Kooperation prägt bis heute das Selbstverständnis des Konservatoriums.
Innovative Neuausrichtungen
Sekles schuf mit zwei wegweisenden Innovationen die Basis für die heutige Ausrichtung des Konservatoriums. Er etablierte ein staatlich anerkanntes Privatmusiklehrer-Seminar, das Musikerinnen und Musiker für ein gefragtes Berufsfeld qualifizierte, das auch heute viele Absolventinnen und Absolventen anstreben.
Daneben öffnete er das Haus für musikalisch Interessierte durch das Konservatorium für Musikhörende – heute die Nachwuchs- und Erwachsenenabteilung.
Anfang der 1930er Jahre ergänzte Sekles diesen Bereich um Kurse für musikalische Früherziehung, um die Fähigkeiten von Kindern vor dem Instrumentenunterricht zu fördern – ein Angebot, das bis heute ein wichtiger Pfeiler des Konservatoriums ist.
Jazz-Pionierarbeit
Bernhard Sekles setzte gegen große Widerstände 1928 die weltweit erste Jazz-Klasse durch und etablierte so Jazz als akademische Disziplin.
Die Gründung der Jazz-Klasse verursachte einen Skandal, der sogar bis in den Preußischen Landtag ausstrahlte. Dort brachte ein Abgeordneter von der Deutschvölkischen Freiheitspartei eine „Kleine Anfrage“ ein.
Mit der Kündigung ihres Leiters Mátyás Seiber wurde die Jazz-Klasse 1933 von den Nazis umgehend geschlossen. Erst 1976/77 richtete der damalige Direktor Klaus Volk wieder eine Jazz-Klasse ein: Albert Mangelsdorff übernahm den Unterricht in „Improvisation und Stilistik des Jazz“, um bewusst an eine alte Tradition aus den 20er Jahren anzuknüpfen.
Die Kündigung im Jahr 1933 traf Bernhard Sekles, der über 35 Jahre dem Dr. Hoch’s Konservatorium verbunden war, tief in seinem Herzen. Nach seiner Entlassung lebte er noch kurze Zeit in Frankfurt am Main und verstarb am 8. Dezember 1934. Sein Sohn Hans M. Sekles schrieb in seinen Erinnerungen im Dezember 1961 eindrücklich:
„Seine letzte, nicht mehr veröffentlichte Komposition war ein Werk für gemischten Chor (und Sopran solo), der 137. Psalm ‚An den Wassern Babylons, da saßen wir und weinten‘. Es war seine Rückkehr zum bewussten Judentum, von dem er sich während seines Lebens einigermaßen entfernt hatte. Es war wohl auch sein Albtraum vom Vertriebenwerden. Es sollte dazu nicht mehr kommen. Nur wenige Monate später trug man ihn zu Grabe auf den jüdischen Friedhof seiner Heimatstadt.“
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