Schauspieler, Theaterpädagoge und Schriftsteller
Geboren am 6. September 1873 in Stuttgart, studierte Alfred Auerbach nach einer kaufmännischen Lehre ab 1894 am Dr. Hoch's Konservatorium Gesang und später „Declamation“ bis 1898, wurde 1899 von den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main als Schauspieler verpflichtet und war dort bis 1923 Ensemblemitglied. Im Jahr 1906 berief Direktor Iwan Knorr den gefeierten Künstler als Schauspiellehrer an das Dr. Hoch´s Konservatorium und beförderte ihn ein Jahr später zum Leiter der Schauspielklasse. Er arbeitete dort als „Lehrer für Sprechtechnik und Mimik“ bis 1933.
Bis zu seiner Emigration in die Vereinigten Staaten, die ihm erst 1940 mit der Hilfe von Thomas Mann gelingt, stellte er seine Fähigkeiten in den Dienst des Kulturbundes Deutscher Juden. Im Rahmen dieser Arbeit entwickelte er gemeinsam mit den Jüdischen Tonkünstlern Frankfurts den Typus eines Konzertes, in dem sich Musik und Dichtung, Tanz und Schauspiel treffen.
Alfred Auerbach beteiligte sich als Dramaturg und Sprecher an den halbkonzertanten Opernproduktionen des Kulturbund-Orchesters, schrieb „musikalische“ Hörspiele und Theaterstücke, verfasste Textbücher für die Opern, Kantaten und Singspiele der Komponistin Rosy Geiger-Kullmann, unterrichtete, reiste kreuz und quer durch Deutschland und entzückte nach Aussage von Rezensenten allenthalben das Publikum mit seinem liebenswürdigen Witz.
1951 kehrte Alfred Auerbach hoch betagt aus der Emigration nach Deutschland zurück und starb am 31. Januar 1954 in Stuttgart.
Alfred Auerbach war von 1906 bis 1933 Leiter der Schauspielabteilung am Dr. Hoch’s Konservatorium. Dort unterrichtete er die Fächer Mimik und Sprechtechnik und entwickelte die Ausbildung maßgeblich weiter.
Auerbach gab dem zuvor als „Deklamation“ bezeichneten Fach die Bezeichnung „Sprechtechnik“. Diese Umbenennung spiegelte ein neues Verständnis von Mimik und Sprachgestaltung wider, das er etablierte und in den Unterricht integrierte. Sein Ansatz betonte die Verbindung von innerem Gefühl und äußerer Darstellung als grundlegendem Element der Schauspielkunst.
Auerbach führte systematische Trainingsmethoden ein, die darauf abzielten, körperlichen Ausdruck, Mimik und Stimmbildung präzise zu verbinden und dadurch die Ausdruckskraft der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Sein Übungsmaterial „Mimik. Übungsmaterial für Schauspiel- und Opernschüler“ (1919) wurde dafür zum wichtigen Lehrmittel.
Parallel zu seiner Lehrtätigkeit war Auerbach auch als Schauspieler bekannt, besonders in komischen Rollen und schwäbischen Mundartstücken.
„Oft wird aus dem Kreise meiner Schauspielkollegen die Frage an mich gerichtet: ‚Wie fangen Sie es nur an, Mimikunterricht zu erteilen? Mimik kann man doch nicht lehren?‘. Die Praktiker haben damit vollkommen recht, man kann sie nicht lehren, so wenig, wie man Dichtkunst lehren kann. Man kann nur wecken, was eben gerade von Natur aus vorhanden ist und das kann man nur auf dem Wege tun, der der natürlichste ist.“ Aus „Mimik“ (Geleitwort), S. 7
Nach 26 Dienstjahren verlor Alfred Auerbach seine Anstellung von einem Tag auf den anderen – ohne Anspruch auf Pension oder soziale Absicherung. Sein Gesuch um die Erlaubnis, Privatunterricht zu erteilen, steht exemplarisch für den verzweifelten Versuch, sich wenigstens ein Existenzminimum zu sichern.
Das Schreiben macht seine prekäre Lage sichtbar. Es ist ein eindrückliches Zeugnis des zunehmenden Zwangs und der systematischen Entrechtung jüdischer Musikerinnen und Musiker im nationalsozialistischen Deutschland.
„Von Dr. Hochs Konservatorium erhalte ich nach 26jähr Tätigkeit keine Pension, weil wir bisher eine Privatanstalt waren und unsere Pensionskasse in der Inflation zugrunde ging. [...] Für die Erhaltung meiner Familie bin ich nun auf die weitere Erteilung von Privatunterricht angewiesen, da ich keinerlei Vermögen und Ersparnisse habe. Es handelt sich um Stunden in den Fächern: Sprechtechnik mimische Uebung, und ich bitte Sie um Erteilung eines Unterrichtserlaubnisscheines.“
Im Juni 1940 gelang Alfred Auerbach die Emigration in die Vereinigten Staaten, wo er in Chicago für einen deutschsprachigen Radiosender tätig wurde. Versuche, in Hollywood beruflich Fuß zu fassen, blieben erfolglos.
Seine Schwester Bertha Auerbach, die nach seiner Auswanderung seine Pension bezog, wurde nach Łódź deportiert; über ihr weiteres Schicksal notierte er später: „Ich hörte nichts mehr von ihr seit 1941, sie ist nicht mehr am Leben.“
1951 kehrte Alfred Auerbach hoch betagt aus der Emigration nach Deutschland zurück und setzte seine Vortragstätigkeit im Rundfunk fort. Er liess sich im November 1953 dauerhaft in Stuttgart nieder.
Seine Autobiografie „Ein Schwabe studiert Amerika“, die mit einem humoristischen Unterton die Schwierigkeiten seiner Exiljahre schildert, erschien bereits 1948 im Stuttgarter Behrens-Verlag.
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