Direkt zum Inhalt

Adolph Rebner (1876-1967)

Violinist

Geboren am 21. November 1876 in Wien, wurde Adolph Rebner im Jahr 1896 als Konzertmeister des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters berufen. Im gleichen Jahr studierte er auch für ein Semester am Dr. Hoch's Konservatorium Violine bei Prof. Hugo Heermann. 1899 wurde er als Lehrer für Violine eingestellt. 1904 bat ihn Bernhard Scholz, der damalige Direktor des Dr. Hoch‘s Konservatorium, die Meisterklasse für Violine seines Institutes zu übernehmen. 

Mit dem von ihm gegründeten Frankfurter Trio und dem nach ihm benannten Rebner Quartett reiste er mit seinen Kollegen durch Europa und vertiefte den Ruf Frankfurts und seines Konservatoriums als eines der musikalischen Zentren Europas.

Der Ausschuss, der 1933 mit der „Reorganisation“ des Dr. Hoch’s Konservatorium beauftragt war, zögerte zunächst, Adolph Rebner (wie auch Paul Meyer, siehe dort) ohne Weiteres zu entlassen. Bei Rebner wog seine jahrzehntelange Tätigkeit besonders schwer: Mehr als 35 Jahre hatte er am Dr. Hoch´s Konservatorium unterrichtet und sich ein hohes künstlerisches Ansehen erarbeitet, das weit über die Grenzen Frankfurts hinausreichte. Aus diesem Grund wurde erwogen, ihn aus taktischen Überlegungen vorerst im Lehrkörper zu belassen. Am Ende fiel die Entscheidung gegen ihn: Während Rebner gehen musste, durfte Meyer vorerst bleiben. 

Im folgenden Jahr 1934 kehrte Rebner Frankfurt am Main den Rücken und zog sich nach Österreich zurück, um von dort aus 1938 in die Vereinigten Staaten zu emigrieren.

1950 kam Adolph Rebner nach Deutschland zurück und lebte bis zu seinem Tode am 18. Oktober 1967 in Baden-Baden.


Adolph Rebner war seit 1899 Dozent für Violine und ab 1904 Nachfolger als Leiter der Meisterklasse von Hugo Heermann am Konservatorium. Zu seinen prominenten Schülern zählten Paul Hindemith und Sascha Schneider. Rebner gehörte er zu denen, die am längsten am Haus waren: Insgesamt waren es mit kurzen Unterbrechungen knapp 36 Jahre.

Adolph Rebners Leistungen im Bereich der Kammermusik sind besonders hervorzuheben: Er gründete und leitete 1902 das nach ihm benannte Rebner Quartett mit Johannes Hegar, Walther Davisson und Ludwig Natterer, in dem später auch Paul Hindemith mitspielte. Das Quartett trat auch international (in Spanien und den Niederlanden) erfolgreich auf und interpretierte Werke von Beethoven, Brahms sowie von zeitgenössischen Komponisten. Zuvor war Adolph Rebner Mitglied im Museums-Quartett (mit Heermann, Becker und Bassermann) und im Frankfurter Trio (mit James Kwast bzw. Carl Friedberg und Johannes Hegar).

Image
Konzertankündigung 1919

1919 führte das Rebner Quartett das Stück „Melancholie“ von und mit Paul Hindemith das erste Mal auf.

Obwohl das Rebner Quartett auch Werke von Schönberg, Bartok, Debussy und Reger aufführte, so umfassten die Programme jedoch selten avantgardistische Werke, was dem ambitionierten jungen Hindemith letztlich nicht mehr genügte und ihm zu konservativ war. Während einer Spanien-Tournee 1921 kam es dann wegen der Programmgestaltung zum Bruch, und Hindemith verliess das Quartett.

„Dem Rebner-Quartett aber gebührt sehr großes Lob für die ausgearbeitete, sicherlich allen Anforderungen der Komponisten genügende Leistung und Hingabe an die Sache. In der Tat könnte man den Quartettkomponisten raten, ihre Werke dieser Vereinigung zur Uraufführung anzuvertrauen, denn besser können sie kaum untergebracht werden.“ 
Kritiker H. W. Draber über die Uraufführung des Divertimento für Streichquartett, op. 20 von Bernhard Sekles

Adolph Rebner und Alfred Auerbach waren die einzigen jüdischen Lehrenden, die relativ bald nach dem Ende des Krieges – 1950/51- wieder nach Deutschland zurückkehrten, beide waren dann schon über 70 Jahre alt. 

Es existiert ein Manuskript des Hessischen Rundfunks aus dem Jahre 1961, in dem der Sohn Adolph Rebners - Wolfgang E. Rebner – Erinnerungen seines Vaters an seine Frankfurter Zeit ab 1896, im Rahmen einer Sendung „Stimmen der Heimat“ wiedergibt. Ein Zeitdokument, das auch Rebners besondere Freude an der Frankfurter Mundart dokumentiert. Ein Ausschnitt: 

„Damals wurde Frankfurt noch vorwiegend von Frankfurtern bewohnt, die sich in allen Schattierungen ihrer unnachahmlichen Mundart unterhielten, von Metzelsupp´, Soberrippche, Kreppel, ‚griener Soß‘ und Händkäs lebten […]“ und so ließ sich Rebner „unversehens und widerstandslos von ihr (der Stadt) ‚eingemeinden‘ […].“


  • Fotografien: Quartett: Fondation Hindemith; Portraits: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (ISG FFM), S7P Nr. 11482, Nr. 11486

  • Dokumente: Fondation Hindemith

  • Biografie: Martini 2010, S. 236 f., überarbeitet und ergänzt 

 

Image
Rebner Quartett 1920
Image
Konzertankündigung 1921